Hundesitter

Raubtier

  • Hundeprofi Heiko Grube im Interview

    Über Heiko Grube

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    Hundexperte Heiko Grube ist 45 Jahre alt, verheiratet und hat eine Tochter.
    Er arbeitet hauptberuflich als Höhen- und Tiefen-Retter bei der Bundeswehr.
    Nebenberuflich betreibt er mit seiner Ehefrau die Hundeschule Dogtraining Baumholder, mit der sich Familie Grube auf Problemhunde spezialisiert hat. Ehrenamtlich ist Heiko Grube mit meinem Hund Cooper (Bloodhound) bei der ASB Rettungshundestaffel des Kreis Birkenfeld tätig. Er führt den Hund Cooper im Bereich Mantrail zur Personensuche. Seine Frau bildet diesen Hund zum Besuchs- und Begleithund für Kitas, Schulen und Seniorenheime aus.

    Was sind die wichtigsten Eigenschaften, über die ich verfügen muss, damit das Verhältnis zwischen meinem Hund und mir passt?

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    Man benötigt einen gesunden Egoismus, eine gesunde Körpersprache gegenüber dem Hund und sollte konsequent in der Ausbildung seines Hundes sein. Wichtig ist, dass man den Hund in seiner Natur Hund sieht und nicht als Menschen, es gibt nichts Schlimmeres als seinen Hund zu vermenschlichen. Der Hund stammt vom Wolf ab und ist auch heute noch ein Raubtier, denn der Hund kann mit dieser übertriebenen menschlichen Liebe nichts anfangen.

    Wie kann ich erlernen, genau das zu erkennen, was mein Hund gerade fühlt und was sein Bedürfnisse sind?

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    Wie schon gesagt: Liebe ist für den Hund nicht verständlich. Menschliche wertbare Emotionen sind für den Hund nicht greifbar, das heißt man muss den Hund mit anderen Augen sehen, wenn man verstehen möchte wie sich unser Hund fühlt und was genau seine Bedürfnisse sind, sollte man die Körpersprache seines Hundes deuten und lesen können.

    Ein kleines Beispiel:

    Der Besitzer kommt nach Hause und fast jeder Hund steht Schwanz wedelnd an der Haustür und springt kurz darauf an seinem Besitzer hoch. Der größte verbreitete Irrtum ist zu glauben, dass sich der Hund freut das sein Mensch nach Hause kommt und der Mensch verstärkt dieses Verhalten daraufhin unbewusst, meistens mit nach vorne über beugen, anfassen und lautem reden und schimpfen.

    Aus der Sicht des Hundes

    Jetzt mal aus Hundesicht betrachtet: Der Mensch, der mich führen sollte und der von dem ich geführt werden möchte, kommt die Tür herein, nach dem er sehr lange nicht da war, da ich gerade nicht weiß wie er drauf ist entgegne ich ihm mal neutral und warte ab (Schwanz wedeln). Vielleicht sagt er ja gleich was ich tun soll? Hmm... er sagt nix. Was nun? Oh doch er sagt was "xknf wefhwe jiohew kjhwf noihwe oiehf" Ahja ok, was genau will er jetzt? Seine Körpersprache hilft mir gerade nicht weiter. Warum beugt er sich vorne über? Will er mich angreifen? Ich habe doch gar nichts gemacht. Ich will dir nichts tun Mensch sag mir was ich tun soll, ich war so lange ohne Führung. Ich springe mal hoch und mache mal meine Bitte deutlich. (Hoch springen). Oh ja toll jetzt ist er aggressiv und schimpft.

    Verhalten des Hundes

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    Der Hund ist schlichtweg einfach nur verunsichert ob nach langer Abwesenheit des Menschen immer noch die gleichen Regeln gelten, wie bei Verlassen des Hauses. Würde der Mensch mit einer für den Hund eindeutigen Körpersprache den Raum betreten und gleich dem Hund eine Aufgabe geben, würde der Hund gar nicht erst diesen Stress haben.

    Wie taste ich mich bei Hunden am besten heran, wenn sie eine schlechte Erfahrung gemacht haben und dann vom alten Besitzer zu mir gelangen?

    Am aller besten wäre es, wenn man genau wüsste welche schlechten Erfahrungen der Hund genau gemacht hat, nur das Problem ist immer, dass man nie die ganze Wahrheit erfährt. Wenn man weiß welche Probleme der Hund hat darf man auf keinen Fall etwas tun, das das Problem auslöst. Hunde funktionieren über eine einfache Reiz-Reaktion. Der Mensch setzt den Reiz und der Hund antwortet mit der erlernten oder für ihn sinnvollsten Reaktion. Leider nicht immer im Sinne des Menschen.

    Leider informieren sich Hundebesitzer vorher schlecht, sehen nur das arme Tier und wollen ihm helfen, weil bei ihnen hat er es ja besser und eider sieht der Hund das nicht so. Der Ideale Wunschgedanke wäre, wenn Hundebesitzer einen erfahrenen, extra dafür ausgebildeten Hundetrainer mitnehmen würden, wenn sie sich ein belastetes Tier aussuchen gehen. Ein erfahrener Hundetrainer kann den Hund testen und versteckte nicht erwähnte Probleme sehen. So könnte sich der neue Hundebesitzer Gedanken darüber machen ob er sich diesem Hund mit seinen Problemen gewachsen fühlt und ob er es schaffen würde diesem Tier zu helfen. Nun ist das Tier nun mal da, und das einzige was man ohne Hilfe tun kann, ist dem Hund tagtäglich neutral zu begegnen, ihn zu führen und ihn in eine Abhängigkeit zum Menschen zu holen um dann mit ihm positiv arbeiten zu können.

    In den USA sind Hundesitter sehr gefragt und in Deutschland steigt die Zahl der hauptberuflichen Hundebetreuer immer mehr. Wie schätzen Sie die Zukunft des Berufes "Hundesitter" ein?

    Der Beruf "Hundesitter" wird denke ich in naher Zukunft sehr großen Zuwachs bekommen.
    Ich hoffe, dass auch Hundesitter in naher Zukunft mit einer Genehmigungspflicht, so wie Hundeschulen seit August 2014, belegt werden, dass Hundebesitzer wissen, dass sie Ihre Hunde in wirklich erfahrene Hände geben.

    Welche Eigenschaften muss ein Hundebetreuer Ihrer Meinung nach mitbringen?

    Ein Hundebetreuer sollte eine gute Ausbildung in Bezug auf das Raubtier Hund haben, welche sich jeder suchende Hundebesitzer zeigen lassen sollte. Ein Hundebesitzer sollte sich gezielte Fragen im Bezug Kynologie Hund überlegen und diese dem Hundebetreuer stellen, sollten die Antworten ihn nicht positiv überzeugen, sollte man weiter suchen. Ebenso sollte ein guter Hundebetreuer in Absprache mit den Besitzern, den Hund genauso behandeln wie die Besitzer es tun. Das Raubtier braucht seine konsequenten Regeln und Rituale, so dass er nicht zu viel Stress hat, wenn ein anderer Mensch die Führung für eine kurze Zeit übernimmt. Der Wunschgedanke auch hier wäre, wenn die Betreuung im gewohnten Umfeld des Hundes und in Einzelhaltung stattfinden würde.

    Gibt es bestimmte Ausbildungen, die ein Hundeliebhaber, der Hundesitter werden möchte, absolvieren kann?

    Ich kann nur aus Erfahrung sprechen und dabei auf zwei Ausbildungszweige meiner Ehefrau Stephanie Grube verweisen. Ich rede von ihren Ausbildungen zur Systemhundberaterin nach S.D.T.S.® und zur Gebrauchshundausbilderin des DGHV. In diesen Ausbildungen geht es schwerpunktmäßig um die Körpersprache des Raubtieres Hundes und der Körpersprache des Menschen gegenüber dem Hund.

    Können Sie uns als Portalbetreiber ein paar Tipps mit auf den Weg geben, was wir bei der Anmeldung der Hundesitter beachten müssen?

    Nett das sie mich dies Fragen. Ich denke sie sollten darauf achten, dass die Personen volljährig sind (Tierschutzgesetz), eine aktuelle Haftpflichtversicherung zum Hundesitten haben und mehr an Erfahrung aufweisen, als "Ich habe Zuhause auch einen Hund" oder "Ich habe Hunde echt gerne". So etwas sind für mich keine positiven Voraussetzungen. Eine Ausbildung oder Fortbildung an einem anerkannten Institut sollte Voraussetzung sein, z.B. ein scharfes Messer zuhause zu haben macht mich noch nicht zu einem erfahrenen Koch.
    Ich danke Ihnen für Ihre Zeit und das tolle Interview! - Dirk Schiff, Gründer von Hundesitter.de

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